Ordnungspolitisches Frühstück zum Handel mit China

Freitag, 13.09.2019 09:00 Uhr
Mercure Hotel Panorama, Wintererstraße 89, 79104 Freiburg
Jörg Wuttke
Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter von BASF China, Präsident der Europäischen Handelskammer in China

China unplugged: Wie macht man Geschäfte in China zu Zeiten des Handelskrieges?

Zusammenfassung

Wie verändert sich das globale Machtgefüge durch den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Chinas? Welche Ziele hat das Land für sich selbst definiert? Was bedeuten diese für Deutschland und welche Veränderungen ergeben sich aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China? Diese Fragen erfahren sowohl aus ökonomischer als auch aus politischer und gesellschaftlicher Perspektive immer mehr Aufmerksamkeit und somit war das Interesse am ordnungspolitischen Frühstück des Aktionskreises Freiburger Schule zum Handel mit China besonders groß.

Als Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter von BASF China ist der Referent Jörg Wuttke ein profilierter Kenner des Landes und konnte aus beruflichen und privaten Erfahrungen ein facettenreiches Bild vom „Reich der Mitte“ darstellen. Für BASF ist China einer bedeutendsten internationalen Märkte. Mittelfristig werden über 50 Prozent der weltweiten Chemie-Produktion in China ansässig sein und für BASF sei es besonders wichtig, direkt auf dem dortigen Markt mit potentiellen chinesischen Konkurrenten in Wettbewerb zu treten. Diese Bedeutung spiegelt sich unter anderem in den umfangreichen Investitionen, die das Unternehmen in China tätigt, wider. Seit Anfang des Jahres 2019 investierte BASF bereits 10 Milliarden Dollar in einen neuen Standort im südchinesischen Guangdong. In Position Papers und Local Position Papers beurteilt die Europäische Handelskammer in China, deren Präsident Wuttke seit Mai 2019 zu dritten Mal ist, regelmäßig die wirtschaftliche Situation in China und äußert sich zu Handlungsempfehlungen auf nationaler und lokaler Ebene.

Die derzeitige konjunkturelle Lage sei in China nicht mehr so positiv wie noch vor wenigen Jahren, so Wuttke. Als Ursachen dafür machte er die weltweit getrübten konjunkturellen Aussichten, die steigende Verschuldung sowie den Handelskonflikt mit den USA verantwortlich. Durch diese Entwicklungen offenbarten sich Schwächen im chinesischen Wirtschaftsmodell. Allerdings appellierte Wuttke an eine differenzierte Betrachtung Chinas: Das Land sei als Kontinent zu verstehen. Vergleichbar mit der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten seien die 31 Provinzen und autonomen Regionen sehr unterschiedlich hinsichtlich der konjunkturellen Lage, des Entwicklungsstands und den Wachstumsmöglichkeiten.

Den Handelskrieg zwischen den USA und China sieht Jörg Wuttke nicht ausschließlich als ökonomischen, sondern ebenfalls als geopolitischen Konflikt. Er rekapitulierte den bisherigen Verlauf des Disputs ausführlich und unterzog die beteiligten Akteure dabei einer genauen Analyse. Deutsche Unternehmen seien hiervon unmittelbar betroffen, insbesondere bei einer direkten Warenverschiebung zwischen den beiden Staaten. Profitieren konnten europäische Unternehmen von diesem Konflikt bisher nicht. Für die Zukunft forderte Wuttke ein entschlosseneres Auftreten der Europäischen Union auf der einen Seite und verbindliche Zusagen der Chinesen auf der anderen Seite, damit das langangestrebte Investitionsabkommen zwischen den beiden Verhandlungspartnern zeitnah unterzeichnet werden könne. Mit Blick auf die beeindruckende Innovations- und Entwicklungsgeschwindigkeit in China, wünscht sich Wuttke in Deutschland und Europa eine größere Neugierde und mehr Bereitschaft für Neues.

Der Referent

Jörg Wuttke ist seit 1997 Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter der BASF China. Im Mai 2019 wurde Wuttke zum dritten Mal Präsident der Europäischen Handelskammer
(EUCCC) in China. Bereits von 2007 bis 2010 und von April 2014 bis Mai 2017 war Wuttke EUCCC Präsident. Seit 2019 ist er stellvertretender Vorsitzender des Chinesischen
Chemieverbandes (CPCIF), einer Gruppe, die multinationale Unternehmen im Verband der chinesischen Chemieindustrie vertritt. Seit 2011 leitet Wuttke die China Task Force des BIAC (Business and Industry Advisory Committee der OECD). Von 2001 bis 2004 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Handelskammer in Beijing, die er mitbegründet hat. Wuttke lebt seit mehr als 30 Jahren in China.